Aktuelle Sokar-Ausgabe Nr. 40


Sokar Nr. 40
Winter 2021/22
22. Jahrgang
196 Seiten
321 Fotos/Abb.

Am Rand des Horizonts
Zur Funktion der mittleren Kammer in der Cheops-Pyramide
Der ungewöhnliche Aufbau des Kammersystems der Cheops-Pyramide ist nach wie vor Gegenstand kontroverser Diskussionen. So ist beispielsweise auch die Frage, welche Funktion einst die aufwendig im Kernmauerwerk konstruierte mittlere Kammer im Raumprogramm dieses Königsgrabes innehatte, bis heute nicht abschließend beantwortet worden. Das Spektrum der bisherigen Deutungsversuche reicht von einer geplanten, aber aufgegebenen Grabkammer des Königs, einer Reservegrabkammer bis hin zu einer Ka-Statuenkammer oder einem Magazinraum. Ausführlich werden die mittlere Kammer und die verschiedenen Auffassungen über ihre einstige Funktion vorgestellt und kommentiert.
Michael Haase
Seite 6–47

Steingefäße aus der Totenkultanlage des Sahure
Aufarbeitung im Ägyptischen Museum Berlin

Mehr als 2000 Steingefäßfragmente, die Ludwig Borchardt 1907/08 bei seinen Grabungen im Pyramidenbezirk des Königs Sahure (5. Dynastie) in Abusir geborgen hat, lagen bis vor wenigen Jahren weitgehend unbearbeitet in den Magazinen des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung, Berlin. Seit 2018 wird diese Kollektion nun inventarisiert und wissenschaftlich aufgearbeitet. Neben typologischen Aspekten spielen dabei auch Materialität, Handwerkskunst und Produktionstechniken eine große Rolle. Der Beitrag gibt erste Einblicke in dieses Aufarbeitungs- und Dokumentationsprojekt.
Robert Kuhn / Pia Lehmann
Seite 48–55

Das Grab des Kairsu in Abusir
Seit den 1960er Jahren führen tschechische Ägyptologen der Karls-Universität in Prag umfangreiche Forschungen in der königlichen Nekropole von Abusir durch. Im Jahr 2015 wurden unweit nördlich der Pyramide des Königs Neferirkare (5. Dynastie) die Umrisse der Mastaba des Kairsu (AC 33; 5. Dynastie) entdeckt; während einer Grabungskampagne im Herbst/ Winter 2018 konnte die Grabanlage freigelegt werden. Zwar wurden sowohl der Oberbau als auch die Dekoration der Mastaba bereits in antiken Zeiten weitgehend zerstört, die Ausgrabungen brachten aber noch eine Vielzahl interessanter Befunde und Artefakte ans Tageslicht, die u. a. die hohe Stellung des Grabinhabers dokumentieren.
Miroslav Bárta / Lucie Jirásková / Jaromír Krejcí / Martin Odler
Seite 56–73

Gemalt für die Ewigkeit
Auf den Spuren der Kastensärge des Mittleren Reiches aus Beni Hassan
Zwischen 1902 und 1904 führte der britische Archäologe John Garstang in der sogenannten Unteren Nekropole von Beni Hassan umfangreiche Ausgrabungen durch, bei denen u. a. viele Särge von Beamten niederen Ranges aus dem Mittleren Reich geborgen worden sind. Das am Institut für Ägyptologie der Universität Wien angesiedelte Projekt «Gemalt für die Ewigkeit» hat zum Ziel, die Dekoration von inzwischen fast 100 dieser in Museen auf der ganzen Welt befindlichen Särgen bzw. Sargfragmenten aus kunsthistorischer Sicht zu untersuchen.
Lubica Hudáková / Peter Jánosi / Uta Siffert
Seite 74–93

Der verlorene Pyramidentempel Amenemhets III. in Dahschur
Der unvollendet gebliebene Pyramidenbezirk Amenemhets III. (12. Dynastie) in der Königsnekropole von Dahschur diente wohl vor allem in der Ramessidenzeit als Steinbruch, sodass vom Pyramidentempel nur geringe Reste erhalten geblieben sind. Nach ersten Erkundungen und Notgrabungen Ende des 19. Jahrhunderts führte das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Kairo zwischen 1976 und 1983 größere Ausgrabungen in diesem Pyramidenkomplex durch – auch im Gelände des vermuteten Pyramidentempels. Leider konnten während dieser Unternehmungen die Fundamentreste des Tempels nicht aufgespürt werden. Auf der Basis der bisherigen Forschungen und mit Blick auf neue Erkenntnisse bei den Ausgrabungen am Pyramidentempel Sesostris’ III. (12. Dynastie) in Dahschur beschäftigt sich der Autor hier nochmals mit der möglichen Rekonstruktion dieser Tempelanlage.
Dieter Arnold
Seite 94–103

Spurensuche einer Katastrophe
Kritische Bemerkungen zu den angeblichen ägyptischen schriftlichen Quellen
zum Vulkanausbruch auf der Insel Thera (Santorin)

Nach derzeitigem Kenntnisstand gab es Anfang des 17. Jahrhunderts v. Chr. einen verheerenden Vulkanausbruch auf der zum kykladischen Kulturkreis zählenden Insel Thera (Santorin) in der griechischen Ägäis. Hatte diese Katastrophe Auswirkungen auf das etwa 700 km entfernte Ägypten? Gibt es altägyptische Texte, die Bezug auf diesen Vulkanausbruch nehmen? Der Autor geht in seinem Beitrag diesen Fragen ausführlich nach.
Joachim F. Quack
Seite 104–125

Reiten statt Streitwagen – Geschwindigkeit statt Prestige
Zu den verhältnismäßig wenigen Belegen für das Reiten zu Pferde im Alten Ägypten
Während Pferde als Zugtiere für Streitwagen im alten Ägypten sehr häufig dargestellt und auch textlich erwähnt wurden, ist das Reiten weitaus seltener dokumentiert worden. Die zahlreichen Belege für die Nutzung des Streitwagens waren möglicherweise eine Frage des Prestiges. Als Reittier wurde das Pferd hingegen dort eingesetzt, wo eine schnelle und wendige Fortbewegung wie bei Boten, Soldaten und Kundschaftern notwendig war. Die Autorin gibt einen Überblick über das Thema »Reiten zu Pferde im alten Ägypten« und zeigt einige der seltenen Darstellungen von Reitern aus dem Neuen Reich und der Dritten Zwischenzeit/Spätzeit.
Heidi Köpp-Junk
Seite 126–135

Der ramessidische Tempel im Asasif
Datierung und Funktion eines Bauvorhabens der 20. Dynastie
im Vorfeld von Deir el-Bahari
Eine große, unfertige Tempelanlage der 20. Dynastie liegt am östlichen Ende des Asasif (Theben-West) über den unteren Ausläufern der Aufwege von Thutmosis III. und Mentuhotep II. Nebhepetre. Aufgrund mehrerer Gründungsdepots kann der Tempel Ramses IV. zugeschrieben werden; vermutlich handelt es sich hierbei um eines der »Millionenjahrhäuser« dieses Königs. Der Beitrag erörtert mögliche Gründe für die Lokation der Tempelanlage und zeigt auf, warum sein fragmentarischer Erhaltungszustand auch ein Glücksfall für die thebanische Archäologie ist.
Julia Budka
Seite 136–151

Archivgrabungen:
Günther Roeder und das Stadtbild von Hermopolis Magna

Die Forschungsaktivitäten der «Joint Mission Cairo-Munich» in Tuna el-Gebel wurden 2015 mit dem Projekt «Weltentstehung und Theologie von Hermopolis Magna» um einige Fragestellungen erweitert. Im Mittelpunkt der Unternehmungen standen bislang die Frage nach der Organisation des Tierkultes sowie die Rekonstruktion der Lebenswelten der Bewohner im griechisch-römischen Tuna el-Gebel. Mit dem Hermopolis-Projekt rückten nun die komplexen administrativen, ökonomischen und religiösen Beziehungen zwischen den Lebensräumen von Tuna el-Gebel und der antiken Metropole in den Vordergrund. Der Beitrag greift zwei aktuelle Forschungsschwerpunkte auf: Einerseits wird ein Einblick in das umfassende Archivmaterial des Leiters der Deutschen Hermopolis-Expedition (1929–1939) gegeben, andererseits werden erste Ergebnisse über die antike Wohnstadt von Hermopolis Magna präsentiert.
Mélanie Flossmann-Schütze (mit einem Beitrag von Patrick Brose)
Seite 152–169

Naga
Neueste Grabungen in der sudanesischen Steppe
Naga, etwa 130 km nordöstlich von Khartum gelegen, war neben Meroë die wichtigste Stadt des meroitischen Reiches und eine der komplexesten archäologischen Anlagen des antiken Sudan. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Lage ca. 35 km abseits des Nils ist Naga bis ans Ende des 20. Jahrhunderts weitgehend unberührt geblieben. Ohne extensive Nachnutzung, Plünderungen, Steinraub, Agrarbewirtschaftung oder moderne Überbauungen ist diese Stadt, die in ihrer Blütezeit im 1. Jahrhundert n. Chr. eine Fläche von mindestens einem Quadratkilometer bedeckte, ein Glücksfall für die moderne Archäologie. Seit 2013 arbeitet ein Team des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst, München in Naga. In den letzten Kampagnen wurden mehrere Gebäude in der südöstlichen Ecke des Hauptkomplexes der Stadt ausgegraben. Der Artikel stellt die Ergebnisse und Funde sowie einige Überlegungen zu einem möglichen funktionalen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Bauten vor.
Arnulf Schlüter / Christian Perzlmeier
Seite 170–187